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Das Ökosozialistische Manifest ist das Ergebnis eines dreijährigen Prozesses der Zusammenarbeit, der Diskussionen und Überarbeitungen, also ein Gemeinschaftswerk der Vierten Internationale. Es baut jedoch auf jahrelangem kritischem marxistischem Denken auf, das eine ökonomisch deterministische Lesart von Marx und ein stufenweises oder mechanistisches Verständnis einer Theorie des revolutionären Wandels ablehnt. Es basiert auch auf dem kollektiven Wissen, das seit Jahrzehnten von sozialistischen Feminist:innen, insbesondere denen, die sich mit der Theorie der sozialen Reproduktion beschäftigen, erarbeitet wurde. So können wir das Manifest als eine klare und wissenschaftliche Untersuchung des historischen Moments betrachten: der Katastrophe, in der wir leben, sowie in Kontinuität mit und als Teil einer emanzipatorischen Tradition.
Das Manifest geht jedoch noch weiter. Es bricht formell und ohne Umschweife mit der kapitalistischen produktivistischen Vorstellung von Wachstum, regt eine lebhafte Debatte über die Bedürfnisse und Prioritäten von Gesellschaften an und schlägt demokratische, kooperative Wege vor, ohne die Stimme der Marginalisierten dem „Allgemeinwohl“ unterzuordnen. Dabei betont es, dass Effizienz und Demokratie nicht gegeneinander ausgespielt werden müssen. Im Folgenden möchte ich einige dieser Aspekte der Kontinuität und den Wunsch nach Demokratie beim Aufbau des „guten Lebens“, für welches das Manifest eintritt, näher erläutern.
Das Manifest steht in klarer Kontinuität zum marxistischen Feminismus, indem es das gute Leben und die freie Zeit in den Mittelpunkt seiner Vision für eine zukünftige Gesellschaft stellt. Marxistische Feminist:innen, die sich mit der Theorie der sozialen Reproduktion beschäftigen, haben den Kapitalismus durch die Linse der Arbeitskraft, ihrer Produktion und Reproduktion betrachtet. Während uns Diskussionen über produktive und unproduktive Arbeit jahrelang beschäftigt haben, um die Stellung der Reproduktionssphäre im Kapitalismus zu verstehen, blieb die Familie als Kerninstitution dieser Reproduktionssphäre bestehen. In ihr wird die Arbeitskraft zu möglichst geringen Kosten reproduziert und Fürsorge ausschließlich, aber nicht ausreichend für diejenigen geleistet, die zu ihr gehören. Das Entstehen und Zerfallen von Arbeiter:innenklassefamilien ist ein fortwährender Prozess.
Die Arbeitskraft ist, wie Marx es ausdrückt, eine „besondere Ware”, die insofern einzigartig ist, als ihre Produktion und Reproduktion größtenteils außerhalb der kapitalistischen Produktionssphäre stattfindet: zu Hause. Die Besonderheit der Arbeitskraft hat viele Aspekte. Im Gegensatz zu anderen Waren, die für den Markt produziert werden, ist die Reproduktion selbst in den dystopischsten Krisenzeiten noch keine arbeitsmarktorientierte Tätigkeit geworden. Sie ist eine besondere Ware, die auch nach dem Austausch bei ihrem:r Verkäufer:in verbleibt.
Stattdessen beobachten wir einen Prozess der Kommodifizierung von Arbeit und Land, einen fortlaufenden Prozess, der wie viele Aspekte der kapitalistischen Produktionsweise (das heißt die formale und reale Subsumption der Arbeitsverhältnisse) noch nicht vollständig realisiert ist. Dieser Prozess stößt seit den Anfängen des Kapitalismus auf Widerstand: Kämpfe indigener Völker um ihr Land, Kämpfe der Arbeiter:innen für den 8-Stunden-Tag, soziale Rechte, Widerstand gegen die Privatisierung von Gemeingütern, usw. Es ist ein Prozess der Akkumulation von Reichtum durch die Auspressung von Mehrwert, der mit einer kontinuierlichen Enteignung einhergeht (Enteignung der Menschen von Gemeingütern, der Frauen von ihren Fähigkeiten usw.).
Marx’ Arbeitswerttheorie führt uns zur zentralen Bedeutung des politischen Kampfes für die Bestimmung des Wertes der Arbeitskraft im Rahmen des Lohnverhältnisses. Kurz gesagt bestimmt nach der Arbeitswerttheorie die „gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit” zur Herstellung einer Ware deren Wert. Es handelt sich um gesellschaftlich notwendige Zeit, da wir von einer Variablen sprechen, die von Zeit und Ort abhängt und nicht von individuellen Fähigkeiten. Während es einfacher ist, zu bestimmen, wie viele Stunden abstrakter Arbeit aufgewendet werden müssen, um eine Kaffeetasse selbst in ihrer extravagantesten Form herzustellen, muss das, was für die Reproduktion der Arbeitskraft notwendig ist, definitiv noch weiter diskutiert werden. Marx sagte, dass in diesem Zusammenhang das „Zivilisationsniveau” ausschlaggebend ist.
„Ja, wir kämpfen um Brot, aber wir kämpfen auch um Rosen.“, zitiert das Manifest.
„Ein gutes Leben für alle setzt voraus, dass die menschlichen Grundbedürfnisse – gesunde Nahrung, Gesundheit, Unterkunft, saubere Luft und sauberes Wasser – erfüllt werden. Ein gutes Leben ist aber auch ein frei gewähltes erfüllendes und kreatives Leben…“ (S. 49) [1]
Wenn wir anerkennen, dass der Klassenkampf untrennbar mit der Entstehung der Arbeiter:innenklasse selbst verbunden ist und dass er nicht zweitrangig für die objektiven Bedingungen des Daseins der Arbeiter:innen ist, dann geht es um den Kampf darum, was ein ausreichend gutes Leben für eine:n Arbeiter:in ist. Es ist nicht möglich, zu bestimmen, wie viel gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit zur Reproduktion der Arbeitskraft erforderlich ist, wenn wir uns nicht darüber einig sind, wie die Bedingungen dieses Lebens aussehen. Das Manifest fordert eine Debatte über die Bedürfnisse der Gesellschaft, eine Debatte, die auf lokaler Ebene stattfinden muss, eine Debatte, die die materiellen Grenzen der Ressourcen anerkennt und dennoch die Bedürfnisse der Marginalisierten und Minderheiten nicht dem „gemeinsamen Nenner“ der Mehrheit unterordnet.
Der ökosozialistische Kampf muss feministisch und antirassistisch sein
Auch wenn wir wissen, dass der Kapitalismus weder die Unterdrückung der Geschlechter noch den Rassismus erfunden hat, sind wir uns sicher, dass er die derzeitige rassistische und sexistische Konstellation der Herrschaftsdynamiken für seine eigenen Zwecke genutzt hat. Durch die Trennung der Sphäre der Produktion von der Sphäre der Reproduktion in einer Weise, die im Vergleich zu früheren Klassengesellschaften beispiellos ist, und durch die historische Verdrängung der Frauen in die Sphäre der Reproduktion, wo sie die für die Reproduktion des Lebens notwendige Arbeit verrichten oder zumindest die Hauptverantwortung für deren Organisation übernehmen, hat der Kapitalismus dazu beigetragen, die derzeitige Form der Diskriminierung aufgrund des Geschlechts zu prägen, die nicht nur Frauen unterdrückt, sondern auch LGBTQI+-Personen und andere, die kein Leben führen, das den Normen der Familie entspricht, die darauf ausgerichtet ist, Arbeitskraft zu möglichst geringen Kosten zu reproduzieren. Frauen sind nicht nur die Hauptproduzentinnen des Lebens im häuslichen Bereich, sie stellen auch die Mehrheit der Pflegekräfte weltweit. Ob bezahlt oder unbezahlt, Pflegearbeit wird überwiegend von Frauen geleistet. Mit dem Vorschlag, Pflegearbeit zu sozialisieren, meint das Manifest einfach, sie zur Aufgabe aller zu machen. Bei der Neuorganisation der Aktivitäten im Zusammenhang mit der sozialen Reproduktion betont es auch, dass diese Neuorganisation darauf achten wird, keine Geschlechterstereotypen zu reproduzieren. Denn, obwohl Unterschiede zwischen Menschen existieren und auch weiterhin existieren werden, ist es die soziale Organisation dieser Unterschiede, die unterdrückerische Systeme schafft, nicht die Unterschiede selbst.
Daher fordert das Manifest einen feministischen, antirassistischen Kampf, nicht nur, weil wir gegen alle Formen der Unterdrückung sind, sondern auch, weil wir wissen, dass diese Unterdrückungen untrennbar mit dem Funktionieren des Kapitalismus, wie wir ihn kennen, verbunden sind. Ob der Kapitalismus Geschlechterunterdrückung oder Rassismus braucht, um zu funktionieren, ist eine Frage der politischen Theorie. Was wir wissen, ist, dass es keine historische Epoche im Kapitalismus gab, in der er nicht rassistisch oder sexistisch war, und daher muss der antikapitalistische Kampf auch antirassistisch und antisexistisch sein. Von der anfänglichen Kapitalakkumulation, die durch Sklaverei und Plünderung zum industriellen Kapitalismus führte, bis hin zur Neukonfiguration der industriellen Reservearmee auf der Grundlage der Machtverhältnisse der jeweiligen Ära, indem marginalisierte Teile der Gesellschaft gegeneinander ausgespielt wurden, hat die kapitalistische Organisation der Arbeitsbeziehungen dazu beigetragen, geschlechtsspezifische und rassifizierte Identitäten zu schaffen.
Wenn Karl Marx in Band 1 des Kapitals die Grenzen des Arbeitstages diskutiert, führt er das Beispiel der Sklaverei und der Plantagen an, um Umstände zu veranschaulichen, unter denen der Anreiz, durch Verlängerung des Arbeitstages „absoluten Mehrwert” zu schaffen, ohne Einschränkungen funktionieren kann. Eine Verlängerung des Arbeitstages über das gesellschaftlich Akzeptable hinaus ist nur möglich, wenn die Produktion über die Befriedigung lokaler Bedürfnisse hinausgeht und sich ausschließlich auf die Erzeugung von Mehrwert konzentriert. Eine Verlängerung des Arbeitstages ist nur möglich, wenn der Ersatz der Quelle von Arbeitskraft als rentabler angesehen wird als deren Reproduktion. Nur wenn Arbeitskraft (also Menschen) als Ware auf dem Weltmarkt gekauft werden kann (z. B. Sklav:innenhandel) und vollständig aus ihrem sozialen Netzwerk herausgelöst ist, kann auf die Reproduktion ihrer Leistungsfähigkeit verzichtet werden. Die Geschichte des industriellen Kapitalismus in Europa offenbart dieses doppelt Verhalten (lokal/entwurzelt) gegenüber der Arbeit. Eine moderne Version dieses rassistischen Ansatzes gegenüber Arbeit, der die Zusammensetzung der industriellen Reservearmee und die Entstehung von Überschussbevölkerungen prägt, lässt sich in landwirtschaftlichen Betrieben beobachten, in denen Saisonarbeiter:innen ohne Papiere beschäftigt werden, in Textilwerkstätten, in denen Flüchtlinge ohne Papiere arbeiten, oder in der Hausarbeit, wo ausländischen Pflegekräften, fast ausschließlich Frauen, ihre Pässe von ihren Dienstgeber:innen abgenommen werden.
Unser größter Reichtum: Freizeit
Die Priorität des Kapitalismus besteht nicht darin, die Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen, sondern Profit zu erwirtschaften. Wir wollen ein Produktionssystem, das die Bedürfnisse der Menschen und nicht den Profit in den Vordergrund stellt, denn nur so können wir auf diesem Planeten überleben. „Wahrer Reichtum liegt nicht in der unendlichen Vermehrung von Gütern – im Haben –, sondern in der Vermehrung von freier Zeit – im Sein.“ (S. 52), heißt es im Manifest. Dieser Zustand des Seins, des Existierens, erfordert nicht nur den Zugang zu den Grundbedürfnissen für die Reproduktion der Arbeitskraft, sondern auch die freie Zeit, um ein erfülltes, selbstbestimmtes Leben führen zu können. Das Manifest fordert, die freie Zeit aus ihrer Rolle als Restkategorie zu befreien. Nicht als das, was von der Arbeitszeit übrigbleibt, sondern als Selbstzweck, als wichtigste Ressource, die notwendig ist, um gemeinsam ein sinnvolles Leben aufzubauen. Damit führen wir tatsächlich die historische Fahne des Kampfes um die Verkürzung des Arbeitstages weiter. Wir brauchen freie Zeit, um neue Fähigkeiten zu erlernen, uns gegenseitig zu helfen, uns sinnvoll zu betätigen und Gemeinschaften aufzubauen. Freie Zeit ist die notwendige Voraussetzung für die Aufrechterhaltung kollektiver, inklusiver und demokratischer Entscheidungsprozesse, die unsere Gesellschaft organisieren. Das Manifest stellt fest:
„Der ökosozialistische Bruch mit dem kapitalistischen Wachstum geht mit einer doppelten Transformation der Arbeitswelt einher: Quantitativ werden wir weniger arbeiten; qualitativ wird die Voraussetzung dafür geschaffen, dass Arbeit zu einer Tätigkeit des guten Lebens wird – eine bewusste Beziehung zwischen den Menschen (also auch zwischen Männern und Frauen) sowie zwischen den Menschen und der nicht-menschlichen Natur.“ (S. 68)
Während die derzeitigen Lohnverhältnisse, die ständige Entstehung von Überschussbevölkerungen, die Trennung von Produktions- und Reproduktionssphären und die Unsichtbarmachung dessen, was in letzterer geschieht, Klassenverhältnisse sowie Machtdynamiken reproduzieren, die durch spezifische Unterdrückungen geprägt sind, liegt der Weg aus dieser Situation in den Erfahrungen begründet, die durch diese Verhältnisse der Ausbeutung und Unterdrückung geprägt sind. Das Manifest unterstreicht die Bedeutung der Selbstorganisation marginalisierter Gemeinschaften und Gesellschaftsgruppen und die Einbeziehung des aus diesen Erfahrungen gewonnenen Wissens in kollektive Entscheidungsprozesse. Menschen mit Behinderungen, Frauen, rassifizierte Menschen, einschließlich Migrant:innen und indigene Bevölkerungsgruppen, sind Akteur:innen des Wandels, für den wir kämpfen.
Eine der größten Stärken des Manifests besteht darin, dass es die Ausgrenzung marginalisierter Gesellschaftsgruppen bei der Entscheidung darüber, was gut für die Gesellschaft ist, offenlegt. Die Menschen, die am stärksten vom derzeitigen System betroffen sind, sind auch diejenigen, die systematisch von der Gestaltung und Umsetzung seiner Politik ausgeschlossen werden. Diese Offenlegung geht mit einem starken Bekenntnis zur Demokratie einher. Es gibt kein Patentrezept, das für alle passt. Jeder spezifische Kontext hat seine eigenen Probleme und Prioritäten. Das Prinzip „so viel wie möglich dezentralisieren und so viel wie nötig koordinieren” (S. 51) und die Organisation inklusiver, demokratischer Beratungsprozesse sind jedoch unverzichtbar für den Wandel, für den wir uns einsetzen. Durch diese Prozesse können Entscheidungen darüber getroffen werden, was innerhalb der Grenzen der materiellen Ressourcen produziert werden soll und wie dies geschehen soll. Ein weiterer wichtiger Punkt im Manifest: Wenn das Manifest die Notwendigkeit der Konvergenz von Kämpfen diskutiert, betont es, dass das Ziel nicht darin bestehe, einen „größten gemeinsamen Nenner“ in Bezug auf Forderungen zu erreichen, was zum Nachteil der am stärksten marginalisierten Gruppen sein kann. Die Konvergenz von Kämpfen geschehe „[i]n einem dynamischen interaktiven Prozess“, in dem „sich das Bewusstsein über Aktionen und Debatten, die von gegenseitigem Respekt getragen sind, erweitern“ lasse (alle Zitate auf S. 80).
Wann immer ein revolutionäres Projekt diskutiert wird, kommt man unweigerlich auf die Frage nach Utopie oder Realismus zu sprechen. Sprechen wir über eine Welt in der Zukunft oder über das Hier und Jetzt? Das Manifest geht vom Hier und Jetzt aus und schlägt konkrete Forderungen vor, die den Weg für einen revolutionären Wandel ebnen. Es ist richtig, dass unsere Vorstellungskraft durch die gesellschaftlichen Bedingungen, in denen wir leben, unsere Geschichte und die vorherrschende Ideologie begrenzt ist. Aber auch innerhalb dieser Grenzen sind wir uns unserer Fesseln bewusst, während wir uns vorwärtsbewegen. (Rosa Luxemburg)
Durch die detaillierte Darstellung der ökosozialistischen Alternativen – darunter auch öffentliche Präventionspläne gegen Katastrophen, Ernährungssouveränität, die Vergesellschaftung von Energie, Finanzen und Big Tech, Beschäftigungsgarantie, Bildungsreform und die Ausweitung der Gemeingüter – unterstreicht das Manifest die Bedeutung von Übergangsforderungen, die das System mit Blick auf eine ökosozialistische Zukunft vorantreiben. Das Bekenntnis zur Demokratie ist nicht nur eine Frage des Idealismus. Wir wissen, dass die marginalisierten Teile der arbeitenden Klassen, darunter Frauen, Queers, indigene Bevölkerungsgruppen, Migrant:innen und Menschen mit besonderen Bedürfnissen, die Krisen des Kapitalismus stärker zu spüren bekommen als andere. Wenn sie aus den individualisierten Fallen des Systems, aus Schuld und Versagen befreit und durch kollektive Überlegungen und Organisation neu aufgestellt werden, sind es diese Erfahrungen, die unsere Perspektive für die Vorstellung und den Aufbau von Alternativen leiten werden.
Wir sind uns auch bewusst, dass wir ohne einen allgemeinen Systemwechsel keine Inseln im Kapitalismus schaffen können, aber wir unterschätzen nicht die konstruktive Kraft der Erfahrungen, die Beispiele für postkapitalistische Beziehungen in der heutigen Welt in Form von lebendigen Gemeinschaften, Genoss:innenschaften, Streikausschüssen usw. sich vorzustellen und zu schaffen versuchen. Auch wenn sie auf lange Sicht scheitern mögen, bereichern sie unsere kollektive Vorstellung von einer postkapitalistischen Welt. Auch wir tun dies; es ist nicht das erste Mal, dass Revolutionär:innen über die Sozialisierung mühsamer Aufgaben oder soziale Reproduktion sprechen. Auch die frühen russischen Revolutionär:innen hatten sich kollektive Kantinen, die Sozialisierung der Kinderbetreuung und den Bruch mit der traditionellen Familie vorgestellt, insbesondere durch die Arbeit von Alexandra Kollontai und ihren Genoss:innen. Diese Erfahrung ging in den 1930er Jahren mit der stalinistischen Konterrevolution verloren, aber sie bleibt uns erhalten und hat uns geholfen, unsere eigenen Alternativen zu entwickeln. Das Manifest ist sich bewusst, dass man Menschen nicht allein mit Argumenten gewinnen kann. Teilerfolge machen den Menschen Mut.
Unser Slogan ist eingängig, damit sich die Menschen um ihn herum versammeln: „Weniger und besser arbeiten; ein gutes Leben führen“ (S. 67) So einfach er auch ist, er löst überall, wo wir auftreten, eine lebhafte Debatte darüber aus, was ein gutes Leben auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen bedeutet. Was sollten unsere Prioritäten sein, welche Alternativen gibt es zu den Institutionen, die wir abschaffen wollen? Wie wollen wir sie aufbauen? Das Manifest enthält sicherlich viele Antworten auf die ökologische Katastrophe, die wir derzeit erleben, und es ermutigt die Gemeinschaften, hier und jetzt gegen diese Zerstörung zu kämpfen. Aber es geht auch darüber hinaus, indem es uns alle ermutigt, gegen die Normen der kapitalistischen Gesellschaft zu kämpfen.
[1] Vierte Internationale (2025): Manifest für eine ökosozialistische Revolution – mit dem kapitalistischen Wachstum brechen. emanzipation – Zeitschrift für ökosozialistische Strategie 9 (1), S. 37-84.
Maral Jefroudi: Introduction to the Manifesto for an Ecosocialist Revolution: Work Less, Live Better. International Viewpoint, 31 October 2025 https://internationalviewpoint.org/spip.php?article9244
Maral Jefroudi präsentierte die Überlegungen dieses Artikels im September 2025 an einer Veranstaltung in Manila für Wissenschaftler:innen und Aktivist:innen sozialer Bewegungen und politischer Organisationen, gemeinsam organisiert von International Institute for Research and Education in Manila und Partido Manggagawa. Der Artikel wurde zunächst am 31. Oktober in 2025 in International Viewpoint2 publiziert:
Maral Jefroudi: Introduction to the Manifesto for an Ecosocialist Revolution: Work Less, Live Better. International Viewpoint, 31 October 2025 https://internationalviewpoint.org/spip.php?article9244
Übersetzung: Christian Zeller.