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Über emanzipation

Wir leben in einer Zeit abrupter Wendungen. Eine Vielzahl an Krisen erschüttert die Gesellschaften. Die Erde erhitzt sich, Kipppunkte im Erdsystem drohen, neue Krankheiten und Epidemien als Folge grassieren schon jetzt, Ökosysteme werden nachhaltig zerstört. Die wirtschaftlichen Widersprüche entladen sich in immer heftigeren Krisen. Die sozialen Ungleichheiten verschärfen sich dramatisch, gesellschaftliche Verwerfungen nehmen zu. Die nach 1990 entstandene Weltordnung geht in die Brüche. Mächte wie Russland und China machen den USA ihre führende Rolle streitig. Die imperialistische Rivalität um Einflusszonen, Märkte und Ressourcen verschärft sich, nicht zuletzt durch die Bedingungen der Erderhitzung. Dieser Kampf nimmt immer öfter auch militärische Formen an.

Die emanzipatorischen Bewegungen brauchen gesellschaftliche und politische Strategien, die den abrupten Wendungen und Brüchen entsprechen. Wir wollen revolutionäre ökosozialistische Perspektiven entwickeln und vorstellbar machen. Dafür müssen wir den Kapitalismus als Produktionsweise und Herrschaftssystem in seinen sich ständig erneuernden Formen analysieren und seine Dynamik verstehen. Wir wollen Wege und Übergänge skizzieren, die über den Kapitalismus hinausgehen, und konkrete Vorschläge für die politische Praxis entwickeln. Noch ist es nicht zu spät. Noch können wir sehr viel gewinnen, wenn wir die Logik der Kapitalakkumulation durch demokratische gesellschaftliche Aneignung überwinden und unser Leben im Einklang mit den natürlichen Grenzen des Planeten gestalten. Ein Leben in Sicherheit mit viel freier Zeit zur eigenen Entfaltung, mit Gesundheit und Wohlbefinden, in gesellschaftlicher Selbstverwaltung und Gemeinschaft werden möglich.
Dies können wir jedoch nur erreichen, indem wir die Selbstermächtigung der Vielen, der Arbeiter:innen – sei es im Krankenhaus, in der Fabrik, am Wickeltisch, im Büro oder in der Schule – in den Mittelpunkt stellen.

Wollen wir Ökosozialist:innen die Kräfteverhältnisse verändern, sind wir gefordert strategische Hypothesen zu formulieren. Lernen braucht Zeit und muss organisiert werden. Elf Jahre nach der Lancierung der Zeitschrift Emanzipation und einer längeren Pause wagen wir einen Neubeginn.

Emanzipation legt den Schwerpunkt auf die Strategiefindung. Die ökosozialistische Bewegung braucht neue Strategien jenseits von Wahltaktik und Regierungsteilnahmen einerseits und identitärer Selbstisolation andererseits. Strategien, die dazu beitragen, die Kluft zu schließen, zwischen den erforderlichen gesellschaftlichen und ökologischen Umbaumaßnahmen und dem Bewusstsein über die Dringlichkeit dieser Maßnahmen.

Emanzipation ist Teil der Bewegungen für gesellschaftliche Emanzipation und radikalen ökologischen Umbau der Produktion und Reproduktion. Die Zeitschrift orientiert sich in der Strategiefindung an der Selbstorganisation aller Menschen, die gezwungen sind, ihre Arbeitskraft in der einen oder anderen Weise zu verkaufen.

Emanzipation will Erfahrungen, Ideen, Konzepte und Theorien kombinieren und Lernprozesse voranbringen. Gemeinsam zu lernen und Erfahrungen der Selbstorganisation zu verarbeiten weist über die Stellvertretungslogik der institutionell orientierten Linken hinaus.

Emanzipation will einen pluralistischen, theoretisch fundierten Diskussionsrahmen für den deutschsprachigen Raum bieten und verbindet wissenschaftlichen Anspruch mit transnationaler ökosozialistischer und feministischer Orientierung.

Emanzipation greift die strategischen Herausforderungen in einer globalen Perspektive auf. Darum lassen wir regelmäßig Autor:innen aus anderen Sprachräumen mit ihren spezifischen politischen und theoretischen Erfahrungen zu Wort kommen. Unser Grundverständnis einer globalen Verantwortung beeinflusst die Themenstellung.

Mit der Zeitschrift Emanzipation wollen wir die Diskussionen in unterschiedlichen Zusammenhängen wie unter bewegungsorientierten Aktivist:innen, gewerkschaftlichen Organisator:innen und kritischen Menschen im Wissenschaftsbetrieb befruchten und beeinflussen. Mit theoretisch fundierten und empirisch gehaltvollen Beiträgen wollen wir zur Bildung eines deutschsprachigen Debattenraumes beitragen. Dazu müssen organisatorische Grenzen und taktische Diskussionen überschritten werden.

Emanzipation ist ein Prozess. Der Name drückt den Wunsch aus, einen Beitrag zur inhaltlichen und praktischen Neuformierung einer ökologisch-sozialistischen und linksfeministischen Bewegung zu leisten.

Der Name Emanzipation bringt die politische Orientierung auf den Punkt: Selbstbefreiung aller Unterdrückten in einer ökosozialistischen, feministischen und antirassistischen Perspektive.

April 2022, die Redaktion

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emanzipation gibt es nun schon ein paar Jahre – wenngleich mit einer längeren Pause. So wie sich die Welt weitergedreht hat, haben sich die gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen ein Stück weit verändert. Aber auch die Zusammensetzung unserer Redaktion und unsere Vorstellung, was ein linkes Medium heute leisten soll, hat sich weiterentwickelt . Hier schreiben wir, wofür wir heute stehen. Dennoch gilt für uns auch weiterhin, womit wir bereits 2011 angetreten sind.

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