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„Putin, Trump und Netanjahu öffnen die Tür zur Barbarei.“ So titelten wir bereits im Sommer 2025. Nun war dies schon seinerzeit vor allem eine Bestandsaufnahme, keine Hellseherei. Dass sich diese Sachlage jedoch in einem derart atemberaubenden Tempo zuspitzen würde, hätten selbst wir nicht für möglich gehalten. Plötzlich scheint Trump keinen Halt mehr zu kennen. Auf die drastische Verschärfung der Kuba-Sanktionen, die Entführung Maduros und die Drohgebärden gegen Grönland folgt nun der große Krieg gegen den Iran. Dieser allerdings nicht im Alleingang, sondern in trauter Eintracht mit der rechtsradikalen israelischen Regierung. Auch diese setzt wiederum auf brachiale Eskalation, was sich nicht nur an ihrer Kriegsführung gegen den Iran zeigt, sondern auch in dem Versuch, den Libanon in ein zweites Gaza zu verwandeln.
Für Putin sind diese Entwicklungen ambivalent. Mit Kuba, Venezuela und dem Iran traf es jeweils enge Verbündete. Wenn es derzeit also wieder einmal darum geht, dass die imperialistischen Mächte danach trachten, die Welt in Einflussgebiete aufzuteilen, dann wurden Putin dabei durchaus Grenzen aufgezeigt. Im Gegenzug erhält er dafür aber freie Hand bei seinem „Anspruch” auf die Ukraine, die von Trump nun komplett fallengelassen wurde. Dies geht so weit, dass Washington – zumindest vorübergehend – die Sanktionen gegen russisches Öl aufgehoben hat. Dass die Ölpreise seit dem Krieg gegen den Iran durch die Decke gehen, spielt Putin zusätzlich in die Hände, gleiches gilt für die nun fehlenden ukrainischen Abwehrraketen, die statt in die Ukraine nunmehr in den Nahen Osten gehen. Für die ukrainische Zivilbevölkerung hat dies verheerende Auswirkungen. Die russischen Luftangriffe gegen zivile Ziele haben zuletzt deutlich an Umfang und Intensität zugenommen, und die ukrainischen Luftverteidigungssysteme reichen nicht mehr aus, um diesen Terror wirksam einzudämmen.
Doch auch das Leid der Zivilbevölkerung im Iran und im Libanon ist immens. Im Iran sind die Menschen zudem Terror von zwei Seiten ausgesetzt: einerseits von den Angreifern aus Washington und Tel Aviv und andererseits vom eigenen Regime. Die Ziele der Angriffe, darunter Öldepots, liegen in den dicht besiedelten Städten. Es gibt weder Sirenen noch Schutzbunker. Die Menschen wissen nicht, wie sie sich schützen sollen, und das Regime hat das Internet abgeschaltet. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen warnt aufgrund der Treffer auf Energieanlagen vor den gesundheitlichen Folgen von schwerer Rauch- und Schadstoffbelastung. Der Rote Halbmond warnt, dass die im Regen enthaltenen Chemikalien Haut und Lunge schädigen können.
So dramatisch die Lage aktuell auch ist, beide Seiten haben noch Steigerungspotenzial. Es gab bereits erste Angriffe auf Meerwasserentsalzungsanlagen. Die Konsequenzen, die sich ergeben würden, wenn die ohnehin nur über begrenzte Süßwasserressourcen verfügende Wasserinfrastruktur dieser Region gezielt ins Visier genommen wird, können kaum drastisch genug eingeschätzt werden. Die verheerende Eigendynamik des Konflikts scheint nunmehr selbst vor atomaren Gefahren nicht haltzumachen. Die USA und Israel haben Raketen gezielt in der Nähe von Natanz und Bisher einschlagen lassen. Der Iran wiederum verfügt allem Anschein nach über präzisere Waffen, als bisher angenommen und feuert Raketen in die Nähe der israelischen Atomanlage in Dimona ab.
Offenkundig hat Trump die Hartnäckigkeit des iranischen Regimes unterschätzt und setzt deshalb auf Eskalation. Den Rechtsradikalen in Tel Aviv kommt dies gelegen, denn sie setzen alles daran, sowohl den Iran als auch den Libanon in failed states zu verwandeln.
Die Angriffe auf die Energieinfrastruktur werden im Westen bisher vor allem unter dem Gesichtspunkt der stark gestiegenen Preise diskutiert. Entscheidend sind jedoch auch die akuten und langfristigen ökologischen Folgen dieser Kriegsführung. Die Brände an Öl- und Gasanlagen setzen große Mengen Schadstoffe frei. Hinzu kommen unkontrollierte Methanfreisetzungen. Methan ist als Treibhausgas zunächst noch klimaschädlicher als Kohlendioxid. Doch auch Gas wird sowohl verbrannt als auch unverbrannt freigesetzt. In welchem Ausmaß dies die Klimakrise zusätzlich befeuern wird, ist noch offen. Fest steht allerdings: Die Barbarei nimmt ihren Lauf.
Es braucht nun zwingend eine politische Bewegung, die sich diesem kompletten Wahnsinn entgegenstellt. Dabei wird immer auf offenkundiger, dass die meisten Annahmen der politischen Linken die aus dem 20. Jahrhundert stammen, in die Irre führen. Im Angesicht der Weltlage ist es komplett sinnfrei, einen „Hauptfeind“ auszumachen, gegen den man sich wenden muss oder ein „Lager“ zu wählen, auf dessen Seite man sich schlägt. Dabei ist es ebenso absurd sich aus „antiimperialistischen“ Gründen auf die Seite Russlands oder der iranischen Diktatur zu stellen, wie sich aus „historischer Verantwortung“ mit der israelischen Regierung gemein zu machen. Gegen diesen Campismus aller Couleur gilt es das Recht auf Selbstbestimmung stark zu machen. Dieses gilt zwangsläufig universell, ob in Iran, in der Ukraine oder für die palästinensische Bevölkerung. Eine solidarische Perspektive für den Nahen und Mittleren Osten, müsste deshalb sowohl den Widerstand gegen den Krieg der USA und Israels, als auch die Solidarität mit dem Widerstand der Bevölkerung gegen die Diktatur im Iran einschließen. Zentral für die Perspektive der Selbstbestimmung wäre hier der Rückzug der US-Truppen aus der gesamten Region und der Abzug der israelischen Armee aus allen besetzten Gebieten. Selbiges gilt selbstredend in Osteuropa für den russischen Imperialismus.
Ob die USA, Russland oder die Region des Nahen und Mittleren Ostens. Der Zusammenhang der Kriege mit den fossilen Energieträgern und dem fossilen Backlash der letzten Jahre wird immer offenkundiger. Schon deshalb müsste emanzipatorische Bewegung die Bestand haben will, die ökologische Frage zentral einbeziehen und Strategien für eine nichtfossile Zukunft entwickeln. Eine solche Bewegung wäre jetzt dringender nötig denn je!
