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Nach den Massenprotesten vom 17. Oktober rufen Frankreichs Gewerkschaften dazu auf, die sozialen Kämpfe auszuweiten. Während die CGT für den 5. November zu einem landesweiten Streik mobilisiert, drängt der Gewerkschaftsbund Solidaires auf eine Fortsetzung und Ausweitung der Streiks bis hin zum Generalstreik. Beide Organisationen wenden sich gegen die Kürzungspolitik der Regierung und die massive Repression gegen die Protestbewegung. Wir dokumentieren ihre Aufrufe vom 21. Oktober.
Die CGT ruft zu einem landesweiten Streik am 5. November auf
Das Land befindet sich in einer tiefen Krise, deren Wurzeln in der verschlechterten sozialen Lage der Mehrheit der Bevölkerung liegen: hohe Lebenshaltungskosten, stagnierende Löhne, prekäre Lebensverhältnisse, Kürzungen im öffentlichen Dienst, fehlende Perspektiven für junge Menschen.
Arbeiter:innen, Schüler:innen und Studierende, Rentner:innen sowie Arbeitslose haben genug davon. Indem sie sich zunehmend am Kampf beteiligen, bringen sie dies immer deutlicher zum Ausdruck.
Mit massiven Demonstrationen markierte der 17. Oktober eine neue Etappe in dieser Eskalation der Kämpfe. Dieser Tag war leider auch von verstärkter polizeilicher Repression, Sachbeschädigungen und Gewalt geprägt, die die CGT umgehend verurteilt hat. Der 17. Oktober wird als Wendepunkt für den Zustand unserer Gesellschaft in Erinnerung bleiben.
Wir befinden uns an einem entscheidenden Punkt, der es erfordert, die Mobilisierung auf eine neue Stufe zu heben. Die heute Vormittag in Matignon [Sitz des Premierministers] abgehaltene Sitzung bestätigt nämlich, dass die Regierung sich zum jetzigen Zeitpunkt weigert, die unverzichtbaren politischen Antworten auf die sozialen Notlagen zu geben. Trotz einer einstimmigen Forderung der Gewerkschaften beharrt der Premierminister auf seiner Weigerung, jetzt auf die Forderungen einzugehen, und hat immer noch nicht bekannt gegeben, an welchem Tag er die Jugendorganisationen empfangen wird.
Bei ihrem heutigen Treffen haben die Führung und die Organisationen der CGT die Lage analysiert und mehrere Beschlüsse gefasst.
Die CGT ruft überall an den Arbeitsstätten zu Vollversammlungen auf, um über die Ausweitung des Streiks am 5. November zu entscheiden, dem Datum des Streik- und Demonstrationstages, der vom branchenübergreifenden Gewerkschaftsbündnis [l’intersyndicale interprofessionnelle] beschlossen wurde.
Durch einen massiven Streik werden wir die Unternehmensbosse und die Regierung unter Druck setzen und unsere Forderungen sowie die der Jugend durchsetzen. Durch den Streik werden wir die Lohnerhöhungen und Rentenerhöhungen erreichen, die für ein Leben unter guten Bedingungen unverzichtbar sind. Durch den Streik werden wir die Mittel für unsere öffentlichen Dienste und die Finanzierung unserer Sozialversicherung sichern.
Im Bewusstsein, dass die Regierung und die extreme Rechte darauf aus sind, Gewalt zu instrumentalisieren, ruft die CGT zur Organisation friedlicher Demonstrationen auf. Daher wird sich die CGT am Samstag, dem 24. Oktober, dort, wo die Voraussetzungen gegeben sind, zur Verfügung stellen, um Jugendlichen sowie Arbeiter:innen, die dies wünschen, die Möglichkeit zu geben, unter sicheren Bedingungen zu demonstrieren und ihren Forderungen Gehör zu verschaffen. Die CGT erinnert daran, dass die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung ein Vorrecht des Staates ist, was eine tiefgreifende Änderung der Strategie zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und ein Ende der Repression erfordert, der am 17. Oktober erneut Tausende von Demonstrant:innen zum Opfer gefallen sind.
In dieser entscheidenden Phase ist die CGT entschlossen, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. In größtmöglicher Einheit wird sie sich dafür einsetzen, dass die Arbeitswelt und die Jugend die Mobilisierung verstärken, die unerlässlich ist, um ihre Forderungen durchzusetzen.
Montreuil, am 21. Oktober 2026
Die CGT (Confédération générale du travail) ist die mobilisierungsstärkste Gewerkschaft in Frankreich. Sophie Binet ist seit 2023 Generalsekretärin der CGT.
Aufruf des Gewerkschaftsbundes Solidaires, 21. Oktober 2026
Lasst uns den Streik ausweiten, lasst uns die Fortsetzung organisieren!
Angesichts der explodierenden Wut der Bevölkerung, der Schülerinnen und Studierenden, weiß die Regierung nur mit staatlicher Gewalt, willkürlichen Maßnahmen der Präfekturen und militärischem Einsatz zu reagieren. Um zu versuchen, uns zu spalten, sortiert sie uns aus, stigmatisiert uns und bringt unsere Jugendorganisationen in Verruf. Sie verstümmelt und verbreitet Terror.
Die Gewerkschaftsvereinigung Solidaires fordert eine sofortige Änderung der Doktrin der öffentlichen Ordnung: Kurs auf Deeskalation, Verbot von verletzenden Waffen und tödlichen Festhaltetechniken! Sie prangert zudem die Urteile gegen Personen an, die am Rande der Demonstrationen festgenommen wurden – Urteile, die zur Kriminalisierung der sozialen Bewegung beitragen.
Vor Ort, in den Gymnasien, an den Hochschulen und in den Betrieben, und trotz dieser Repression, gewinnt die Bewegung an Stärke. Die Antwort auf institutionelle und soziale Gewalt besteht darin, unser Umfeld zu überzeugen, Diskussionen über den Streik an den Arbeitsplätzen zu organisieren und uns in Vollversammlungen selbst zu organisieren, um auch davon zu überzeugen, dass wir nur durch den Streik und die Blockade der Wirtschaft gewinnen werden.
Alle auf die Straße und in den Streik am 24. und 31. Oktober, um unsere Forderungen durchzusetzen:
- eine allgemeine Lohnerhöhung und deren Kopplung an die Preise, um angesichts der ständig steigenden Lebenshaltungskosten in Würde leben zu können.
- die Besteuerung von Supergewinnen
- die Verteilung des Reichtums statt immer mehr Dividenden und Geschenke an die Unternehmen.
- einen gerechten Haushalt, der den Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht wird, angefangen mit 10 Milliarden für das Bildungswesen
Um allen Arbeiter:innen sowie den Jugendlichen die Teilnahme an den Mobilisierungen zu ermöglichen und so die Geschlossenheit auf der Straße zu stärken, ruft die Gewerkschaftsvereinigung Solidaires zu Streiks bei allen Mobilisierungen der laufenden sozialen Bewegung auf. Dieser Aufruf gilt für alle Berufsgruppen sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor.
SELBSTORGANISATION AUFBAUEN: GENERALVERSAMMLUNGEN UND STREIKKASSEN
Der Streik gehört denen, die ihn durchführen. Ab heute:
- Organisieren wir Diskussionen und Generalversammlungen an unseren Arbeits- und Studienorten.
- Schaffen wir Verbindungen zwischen Arbeit:innen, Schüler:innen und Studierenden.
- Füllen und strukturieren wir Streikkassen an unseren Arbeits- und Studienorten, um langfristig durchhalten zu können.
AUF EINE VERALLGEMEINERUNG DES STREIKS UND SEINE FORTSETZUNG AB DEM 5. NOVEMBER
Der 5. November, der Tag des gewerkschaftsübergreifenden Streiks, muss in die Fortsetzung der laufenden Bewegung eingebettet sein und der Ausgangspunkt einer umfassenden Offensive sein.
- Lasst uns den Streik im gesamten öffentlichen und privaten Sektor ausweiten.
- Bereiten wir die Fortsetzung ab dem 5. November vor, um das Land lahmzulegen, bis unsere Forderungen erfüllt sind.
Lasst uns angesichts der Regierung und ihrer Strategie der Repression, mit der sie sich der Erfüllung unserer Forderungen entziehen will, eine geschlossene Front bilden!
Alle in den Streik und auf die Straße am 24. und 31. Oktober und zu einem massiven Streik am kommenden 5. November! Schaffen wir die Voraussetzungen für einen Generalstreik, der ab dem 5. November fortgesetzt werden kann!
Der Gewerkschaftsbund Solidaires entstand aus den in den 1980er und 1990er Jahren gegründeten alternativen Basisgewerkschaften SUD (solidaires, unitaires, démocratiques) und tritt seit 1998 unter diesem Namen auf.
